Spätfolgen nach einem Schlaganfall: Wie sich die Welt von Patienten und Angehörigen verändert

Patienten, die einen Schlaganfall überlebt haben, wissen, was das Wort Schicksalsschlag tatsächlich bedeutet. Auf einmal ist alles anders, und Dinge, die früher selbstverständlich waren, sind plötzlich nicht mehr möglich. Konfrontiert mit teils schwerwiegenden Spätfolgen, fällt es den meisten Patienten schwer, sich an ihren neuen Alltag zu gewöhnen. Und auch ihre Angehörigen sind zunächst aus einer Vielzahl von Gründen überfordert.

In diesem Blogbeitrag möchten wir näher darauf eingehen, welche Spätfolgen ein Schlaganfall mit sich bringen kann. Außerdem klären wir, welche Möglichkeiten es gibt, mit den verbundenen Herausforderungen zumindest etwas besser umzugehen.

Übrigens: Weitere Informationen rund um die Diagnose Schlaganfall gibt es auf unserer Themenseite.

Was sind typische Spätfolgen eines Schlaganfalls?

Für Schlaganfallpatienten, die unter Spätfolgen leiden, werden oft schon vermeintlich einfache Alltagsaufgaben wie das selbstständige Anziehen oder Kochen zum Hindernis. Abhängig davon, welches Hirnareal beschädigt ist, können viele verschiedene Körperfunktionen eingeschränkt sein.

Grundsätzlich lassen sich die Spätfolgen nach einem Schlaganfall in drei Kategorien einteilen: Körperliche, neuropsychologische und psychologische Folgen. Allen gemeinsam ist, dass sie großen Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten haben.

Körperliche Spätfolgen nach einem Schlaganfall

Bewegungseinschränkungen und Lähmungserscheinungen gehören zu den klassischen Spätfolgen nach einem Schlaganfall. Üblicherweise betreffen sie lediglich eine Körperseite und äußern sich darin, dass Patienten bestimmte Bereiche ihres Körpers nicht mehr gezielt steuern können. In diesen Fällen hängt beispielsweise ein Mundwinkel herab oder der Arm baumelt funktionsunfähig herunter. Häufig führt der Schlaganfall auch zu einer sogenannten Fußheberschwäche, die das Gangbild massiv beeinflusst.

Eine weitere typische Spätfolge nach einem Schlaganfall sind Sprachstörungen, die dazu führen, dass Patienten Probleme haben, sich ihrem Umfeld mitzuteilen. Entweder, weil ihre Aussprache undeutlich ist, oder weil sie nicht mehr in der Lage sind, ihre Gedanken sauber zu strukturieren. In vielen Fällen wirkt die Sprache der Betroffenen auch abgehackt oder monoton.

Schluckbeschwerden sind ebenfalls oft zu beobachten und können schnell zu gefährlichen Situationen führen – beispielsweise, wenn Nahrungsreste in die Luftröhre gelangen und Hustenattacken beziehungsweise akute Erstickungsanfälle auslösen. Auch ein Nährstoffmangel tritt in diesem Zusammenhang häufig auf, da die betroffenen Patienten nur noch ungerne essen oder trinken.

Neuropsychologische Spätfolgen nach einem Schlaganfall

Neben den äußerlich sofort wahrnehmbaren Spätfolgen nach einem Schlaganfall gibt es auch Folgen, die für das Umfeld der Patienten erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind. Rund 80 Prozent der Betroffenen sind beispielsweise deutlich weniger belastbar als vor dem Schlaganfall und häufiger überfordert, belegen Zahlen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Eine Fachbezeichnung, die im Zusammenhang mit neuropsychologischen Spätfolgen eine wesentliche Rolle spielt, ist der Begriff Neglect. Er wird verwendet, wenn Schlaganfallpatienten nur noch eine Seite ihres Körpers und der räumlichen Umgebung wahrnehmen. Abhängig von der Schwere des Neglects essen sie beispielsweise nur noch eine Seite ihres Tellers leer oder waschen unter Umständen nur noch eine Körperhälfte.

Auch andere Arten von Aufmerksamkeitsstörungen können im Alltag zu Problemen führen: So etwa, wenn Patienten nicht mehr in der Lage sind, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren oder wenn sie Schwierigkeiten haben, gespeichertes Wissen abzurufen.

Ebenfalls bei Schlaganfallpatienten zu beobachten, sind weitreichende Veränderungen der Persönlichkeit. Diese Spätfolge macht insbesondere den Angehörigen häufig sehr zu schaffen und manifestiert sich von Fall zu Fall unterschiedlich. Während manche Betroffene an Antriebslosigkeit leiden, weisen andere ein gesteigertes Aggressionspotential auf oder sind plötzlich extrem distanzlos.

Psychische Spätfolgen nach einem Schlaganfall

Wenn auf einmal ungewohnte Abhängigkeiten den Alltag bestimmen, leidet die Psyche von Patienten und Angehörigen. Das psychische Trauma eines Schlaganfalls betrifft alle Beteiligten und kann leicht Depressionen, Angststörungen und sogar Suizidgedanken nach sich ziehen. Viele Patienten wirken antriebslos, ziehen sich zurück und lassen ihre Liebsten emotional nicht mehr an sich heran. Für ihre Familienmitglieder ergibt sich daraus häufig die Notwendigkeit, selbst professionelle Hilfe anzunehmen, um ihre Gefühle zu verarbeiten.

Kann man nach einem Schlaganfall wieder ganz gesund werden? Und wie lange dauert die Rehabilitation?

Es ist kaum möglich, eine Prognose darüber abzugeben, wie lange die Spätfolgen eines Schlaganfalls anhalten. Während manche Menschen nach erfolgreicher Rehabilitation wieder selbstbewusst am sozialen Leben teilnehmen können, bleiben andere für immer pflegebedürftig.

Einige Körperfunktionen, die in Folge eines Schlaganfalls ausfallen, nehmen im Laufe der Zeit ihren Dienst wieder auf. Dies kann unter anderem damit zusammenhängen, dass sich beschädigte Hirnareale erholen oder andere Bereiche die Funktion der abgestorbenen Zellen übernehmen. Ungefähr die Hälfte aller Patienten, die einen Schlaganfall überleben, tragen allerdings bleibende Schäden davon. Fakt ist: In Deutschland gilt der Schlaganfall als häufigste Einzelursache für Pflegebedürftigkeit.

Neben dem Ausmaß des ursprünglichen Hirnschadens spielen auch das Alter, der Lebensstil, die medizinische Vorgeschichte und die Motivation des Patienten eine Rolle, wenn es um die Rehabilitationsfähigkeit des Körpers geht.

Herausforderungen, mit denen Betroffene und Angehörige noch lange zu kämpfen haben

Es sind nicht nur die körperlichen und psychischen Spätfolgen nach einem Schlaganfall, die Patienten und ihre Angehörigen an den Rand ihrer Möglichkeiten bringen. Oft werden auch die nötigen Anpassungen an einen neuen Alltag mitsamt der bürokratischen Hürden zu einer ersten Belastungsprobe. Im Folgenden nennen wir drei klassische Beispiele.

Die Frage der Organisation

Je nach Beeinträchtigung des Patienten kann es erforderlich sein, einen Umbau der Wohnung zu veranlassen oder in zusätzliche Pflege zu investieren. Dies sind nur zwei von vielen möglichen Szenarien, die unter Umständen einen Rattenschwanz an bürokratischen Herausforderungen mit sich bringen. Und nicht nur das: Auch finanzielle Sorgen sind vielen Schlaganfallpatienten und ihren Angehörigen bekannt. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, von Anfang an sämtliche Hilfsmöglichkeiten anzunehmen, die zur Verfügung stehen: Die Krankenkasse kann mit einer Kostenübernahme zusätzlicher Hilfsmittel vieles erleichtern. Stiftungen, Selbsthilfegruppen und städtische Beratungsstellen haben auf die meisten Fragen eine praktische Antwort parat, und der Sozialdienst der behandelnden Klinik gibt in der Regel einen ersten Überblick über Anträge und Zuständigkeiten.

Wenn Mobilität zum Angstthema wird

Wollen in ihrer körperlichen Funktionsfähigkeit eingeschränkte Patienten wieder in einen lebenswerten Alltag zurückfinden, stellt das Thema Mobilität häufig die erste Hürde dar.

Sicher, in der Regel steht ein Team an Therapeuten bereit, um den Weg zurück in den Alltag zu ebnen, doch ändert das wenig an den ersten Anpassungsschwierigkeiten in den eigenen vier Wänden. Sollte es eigentlich darum gehen, möglichst schnell eine komfortable und tragfähige Routine zu entwickeln, ist die Ankunft zuhause oft der Auslöser für eine emotionale Abwärtsspirale. Das soll jetzt mein Alltag sein? Die Antwort auf diese Frage schmerzt umso mehr, wenn die erzwungenen Abhängigkeiten sich voraussichtlich nicht mehr verändern lassen.

Familienstrukturen im Wandel

Entscheiden sich Angehörige dafür, ihre erkrankten Familienmitglieder selbst zu pflegen, müssen sie sich darauf einstellen, den Patienten auch in höchst privaten Situationen zur Hand zu gehen. Ein Abhängigkeitsverhältnis, das sich niemand herbeiwünscht und infolgedessen sich oft ein Rollentausch vollzieht, der bestehende Beziehungsstrukturen nachhaltig beeinflusst.

Dasselbe gilt auch dann, wenn sich die Persönlichkeit des erkrankten Familienmitglieds verändert. Und das ist keine Seltenheit: Fast jeder dritte Patient leidet direkt nach einem Schlaganfall an Depressionen und über 20 Prozent der Betroffenen bekommen Angstzustände. Die Folge: Alle Beteiligten sind überfordert, Freundschaften verändern sich und Familienbande werden auf eine harte Probe gestellt.

Wer von den Spätfolgen nach einem Schlaganfall betroffen ist, sollte Hilfe annehmen

Nicht nur für Patienten, sondern auch für Angehörige ist es wichtig, sich Hilfe zu suchen, um mit der neuen Situation bestmöglich umgehen zu können. Therapeuten, Freunde und Selbsthilfegruppen bieten Unterstützung in einer schwierigen Zeit. Insbesondere Selbsthilfegruppen sind in vielen Fällen Gold wert. Dort erhalten Betroffene nicht nur hilfreiche Informationen aus erster Hand, sondern sie können auch dem Gefühl der Isolation entgegenwirken, das Pflegende und Gepflegte schnell beschleicht. Eine ausführliche Liste mit Adressen bietet die Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe auf ihren Internetseiten an.

Akzeptanz ist die Basis für den Umgang mit Spätfolgen

Gefühle wie Angst, Trauer und Wut sind nach einem Schlaganfall völlig normal. Sie dürfen allerdings nicht zum Dauerzustand werden. Je früher Patienten und Angehörige ihre neue Situation akzeptieren können, desto eher können sie sinnvoll an einer Verbesserung arbeiten. Zeitpläne mit bewusst gesteckten Zwischenzielen liefern dann einerseits Ansporn und verhindern andererseits, dass der Patient sich selbst zu viel abverlangt. Und Tages- beziehungsweise Wochenpläne, in denen Therapiesitzungen, Medikamentengabe und sonstige Aufgaben vermerkt sind, bieten eine sicheren Rahmen für alltägliche Aufgaben. Schritt für Schritt kann sich auf dieser Basis schließlich eine tragfähige Routine entwickeln, die allen Beteiligten wieder etwas Raum gibt, auch die schönen Seiten des Lebens zu sehen.

1 Antwort
  1. Markus
    Markus sagte:

    Ein Schlaganfall ist wirklich etwas Schreckliches. Das Leben kann sich von einem Tag auf den anderen völlig verändern. Ich glaube, man verliert so viel an Lebensqualität, wenn man körperlich eingeschränkt und unbeweglich ist. Zum Glück gibt es zumindest ein paar Alltagshilfen wie z. B. Rollatoren oder Treppenlifte, die das Leben erleichtern können. Ich habe auch gelesen (https://homesolutions.tkelevator.com/de-de/treppenlift/preise/treppenlift-zuschuesse/), dass man für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen bis zu 4.000 Euro Zuschuss von der Krankenkasse bekommen kann, sofern man einen Pflegegrad hat.

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