Der Schlaganfall und seine möglichen Folgen

Diagnose Schlaganfall – plötzlich ist alles anders

Rund 270 000 Menschen, so die deutsche Schlaganfallhilfe, erleiden pro Jahr einen Schlaganfall. Etwa die Hälfte der Betroffenen die überleben, bleiben pflegebedürftig oder schwerbehindert. Damit ist für sie und ihre Familien von einem Moment auf den anderen alles anders.

Was genau ist ein Schlaganfall?

Grundsätzlich spricht man von einem Schlaganfall, wenn ein Gefäß im Gehirn verstopft (Hirninfarkt) oder platzt (Hirnblutung) und daher bestimmte Hirnareale nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden können. In der Folge sterben die betroffenen Bereiche ab und im schlimmsten Fall droht der Tod.

Schnellstmögliche ärztliche Hilfe ist vor diesem Hintergrund elementar: Leidet ein vormals gesunder Mensch unter plötzlich auftretenden Lähmungserscheinungen, Koordinationsproblemen oder Seh- und Sprachstörungen, muss zügig gehandelt werden. Je schneller ein Schlaganfall diagnostiziert wird, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient sich erholt und möglicherweise ohne schwerwiegende Folgen in sein altes Leben zurückkehren kann.

Welche Auswirkungen hat ein Schlaganfall?

Typische körperliche Beschwerden sind einseitige Lähmungen, Muskelkrämpfe oder Koordinationsstörungen. Auch wenn einige Körperfunktionen mit der Zeit wieder möglich werden, sind andere oft irreparabel verloren und erfordern damit generelle Anpassungen an einen neuen Alltag.

Grundsätzlich lassen sich die Spätfolgen nach einem Schlaganfall in drei Kategorien einteilen: Körperliche, neuropsychologische und psychologische Folgen. Allen gemeinsam ist, dass sie großen Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten haben.

Die Diagnose Schlaganfall in Zahlen:

  • Ein Viertel aller Betroffenen erholt sich gut von den Folgen und kann wieder selbstständig am Leben teilhaben.
  • Die Sterblichkeit bei Schlaganfällen hat sich in Deutschland in den vergangenen 25 Jahren nahezu halbiert. Dennoch stirbt nach wie vor einer von 5 Schlaganfallpatienten innerhalb der ersten 4 Wochen.
  • Nach Herzinfarkt und Krebs ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Weltweit steht er mittlerweile sogar an zweiter Stelle.
  • Frauen haben statistisch gesehen ein höheres Risiko als Männer, einen Schlaganfall zu erleiden. Das liegt aber vor allem daran, dass sie im Schnitt älter werden und das Risiko im Alter ansteigt.
  • 87% der Schlaganfälle liegen definierte Risikofaktoren zugrunde, von denen die meisten als beeinflussbar gelten.[1]

Und das liebe Geld?

Wie nötig auch Angehörige auf Unterstützung angewiesen sind, geht in der Sorge um den erkrankten Patienten zunächst häufig unter. Insbesondere die Frage nach den Finanzen ist für die meisten Angehörigen bereits zu einem frühen Zeitpunkt Grund zu großer Sorge. Sie sehen die Kosten für Therapeuten, Umbauten und Arbeitsausfälle auf sich zukommen und wissen unter Umständen auch, dass die Zuständigkeiten der Kostenträger nicht immer klar geregelt sind.

Einen praktischen Ratgeber mit weiterführenden Informationen rund um das Thema Reha, Pflegebedürftigkeit und Sozialleistungen hat die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe herausgegeben. Er ist unter dem Namen „Wege zu Sozialleistungen – Finanzielle Hilfen nach dem Schlaganfall“ kostenfrei zum Download verfügbar und gibt eine erste Hilfestellung in einer herausfordernden Zeit. Auch „betanet.de“, ein Portal für psychosoziale und sozialrechtliche Informationen im Gesundheitswesen, bietet eine erste Orientierung.

Erste Schritte in einen geregelten Alltag

Wollen Angehörige zudem möglichst schnell eine Routine entwickeln, um der Extremsituation in der ersten Zeit nach der Diagnose ein wenig von ihrem Schrecken zu nehmen, können die folgenden Tipps helfen:

  • Werden alltäglich benötigte Gegenstände immer am selben Platz aufbewahrt und sind sie für die Patienten leicht erreichbar, gibt das Sicherheit und schafft ein Gefühl von Kontrolle.
  • Ist es nötig, dem Patienten bei alltäglichen Aufgaben unter die Arme zu greifen, ist es sinnvoll, die beabsichtigte Hilfestellung im Voraus mit ihm abzusprechen.
  • Ist der Patient in der Lage, sich trotz leichter Schwierigkeiten selbst anzuziehen, kann es hilfreich sein, ihm die Kleidungsstücke der Reihe nach hinzulegen.
  • Tages- und Wochenpläne, in denen Therapiesitzungen, Medikamentengabe und sonstige Aufgaben vermerkt sind, bieten einen sicheren Rahmen für alltägliche Aufgaben.
  • Gemeinsam entworfene Zeitpläne mit bewusst gesteckten Zwischenzielen liefern einerseits Ansporn und verhindern andererseits, dass der Patient sich selbst zu viel abverlangt.
  • Gemeinsame Spiele oder das (Vor-)Lesen von Zeitungen und Zeitschriften helfen nicht nur, die Zeit zu vertreiben, sondern unterstützen Patienten auch dabei, ihre geistigen Fähigkeiten zu trainieren.
  • Musik ist einerseits Balsam für die Seele und fördert andererseits auch die Rehabilitation: Einer finnischen Studie zufolge erholen sich Schlaganfallpatienten besser, wenn sie nach einem Hirninfarkt täglich Musik hören. Insbesondere die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis werden dadurch verbessert – ebenso wie die Laune.

Weitere Anlaufstellen im Netz

Gern können Sie sich auch den Ratgeber „Schicksalsschlag Schlaganfall: So finden Patienten und Angehörige zurück ins Leben“ aus unserem eigenen Hause hier herunterladen: Hier zum Download

[1] Quelle der Aufzählung: https://dgn.org/presse/pressemitteilungen/am-29-oktober-ist-welt-schlaganfalltag-immer-mehr-juengere-menschen-betroffen/

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